Bau- Serie „Ich und mein Eigenheim“: Anna May (31) und Alex Mittmann (36) haben sich vor fünf Jahren einen Altbau, Baujahr 1850, gekauft. Das junge Paar berichtet, was es dazu bewogen hat und wie es die Kosten stemmt.

Anna May und Alex Mittmann renovieren in Kleinenbremen ein Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert. © Anastasia von Fugler

Porta Westfalica. Ein versteckter Brunnen, mehrere Ebenen in der Diele und ein Pornoheftchen von 94 unter dem Boden - die kleinen Überraschungen in dem alten Fachwerkhaus von Anna May (31) und Alex Mittmann (36) nehmen kein Ende. 2020 hatte das Paar den Altbau in Kleinenbremen gekauft, seitdem ist dort einiges passiert. Wenn die beiden nicht gerade arbeiten, werkeln sie in und an ihrem Haus, das kostet Zeit und Geld. Doch warum hat sich das junge Paar für das alte Fachwerkhaus und nicht für einen Neubau entschieden?

„Wir wollten keinen seelenlosen Putzbau, sondern ein Haus mit Charakter“, nennt Mittmann einen der vielen Gründe. Der 36-Jährige ist Dachdecker, seine Partnerin Zimmerin. Dass sie den Hauptteil der Arbeit am Haus selbst erledigen würden, sei von vorneherein klar gewesen. Auch dass sich die ehemalige Eigentümerin für sie als neue Besitzer entschieden hatte, hatten sie letztendlich ihren Jobs zu verdanken.

1994 weder Strom- noch Gasanschluss

Anna May fand das Haus über ein Onlineportal, Kaufpreis 165.000 Euro. Ein Neubau kam für das Paar auch aus finanziellen Gründen nicht infrage. „Meine Bauchschmerzgrenze lag bei 300.000 Euro“, erinnert sich die Dachdeckerin, die gerade dabei ist ihren Meister zu machen. Und es sollte auf jeden Fall ein Fachwerkhaus werden. Das allein hätte sie bereits 230.000 Euro gekostet, und für ein Grundstück dazu hätten sie damals noch einmal etwa 70.000 Euro gezahlt. „Mit den zusätzlichen Kosten war uns das zu teuer.“
Als also der Altbau in Kleinenbremen aufploppte, nahmen sie an einem Besichtigungstermin teil, bei dem aber auch weitere Interessenten anwesend waren. Das Paar tauchte in Zunft - ihrer Arbeitskleidung - auf. Sie hörten nur noch, wie ein anderes Paar sagte: „Toll, wir haben keine Chance.“ Die Vorbesitzerin hatte selbst viel Energie in das Haus mit dem Baujahr um 1850 gesteckt. 1994 hätte es dort weder einen Strom- noch Wasseranschluss gegeben. Sie wollte es in „fachliche Hände“ abgeben, erzählt May weiter.

1.000 Quadratmeter Grundstück, 250 Quadratmeter Wohnfläche und eine Anliegerwohnung, die als Ferienwohnung vermietet werden konnte, verscheuchten auch die letzten Zweifel bei dem Paar. Zudem stimmte die Lage: „Ich kann zu Fuß einkaufen gehen, es ist eine ruhige Gegend und nach Bückeburg ist es nicht weit“, so May. Das Gefühl, dass sie mit dem Kauf ein Risiko eingehen, hätten die beiden nie gehabt, sagen sie. „Wenn es nicht klappt, dann verkaufen wir es einfach wieder“, so die Devise des Paares.

Bauzinsen waren 2020 niedriger

Das eine war, ein passendes Haus zu finden, das andere die Finanzierung dafür zu bekommen. Die meisten Banken verlangten damals von ihnen einen Eigenanteil, den sie mit 26 und 31 nicht erbringen konnten, so das Paar, das sich bereits in Teenagerjahren bei der Jugendfeuerwehr kennengelernt hatte. Über Kontakte bekamen sie dann doch einen Baukredit. Ein zweiter kleinerer Kredit folgte. Bei beiden zusammen zahlen sie eine ungefähre Zinssumme von 1,7 Prozent. „Da hatten wir noch Glück“, weiß May. Denn kurz darauf stiegen die Zinsen bei den Baudarlehen.

Laut dem Statistikportal Statista lag der durchschnittliche Zinssatz für Baukredite 2020 bei etwa einem Prozent - je nachdem, ob man ihn für zehn Jahre oder 15 Jahre refinanzieren wollte.


Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Mit dem Krieg in der Ukraine, der gestiegenen Inflation und der Lieferkettenproblematik stiegen die Bauzinsen 2022 enorm und blieben auf hohem Niveau. Derzeit liegen sie relativ stabil, ähnlich hoch wie im Jahr 2023. Der Trend ging zuletzt allerdings wieder etwas nach oben. Anfang Oktober 2025 lag der Zinssatz bei 3,66 Prozent, bei einer 15-jährigen Bindung bei 3,82 Prozent.

Auch persönliche Faktoren beeinflussen die Höhe. „Für die individuelle Baufinanzierung sind ebenso die Bonität des Kreditnehmers, die Lage der Immobilie sowie Eckdaten wie Laufzeiten oder Tilgungsart von Bedeutung“, heißt es bei Statista.

Ferienwohnung finanziert Renovierungen

„Nach zehn Jahren haben wir den großen Kredit abgezahlt“, so May. Für die Renovierung des Hauses nutzt das Paar die Einnahmen, die sie mit der Ferienwohnung generieren. Etwa 30.000 Euro sind laut ihren eigenen Angaben bisher bereits in den Umbau geflossen. „Wir hatten anfangs mit 2.000 Euro im Jahr mit der Vermietung der Wohnung kalkuliert“, erklärt May. Mittlerweile kommen sie aber weit drüber. „Wir sind fast immer ausgebucht.“ Wer verirrt sich nach Kleinenbremen? Zu 50 Prozent seien es Handwerker, sagt May, aber es kommen auch viele Weserbergweg-Wanderer oder Besucher der Hofreitschule in Bückeburg.

Als die beiden um Weihnachten 2020 herum einzogen, sei es auch die Wohnung gewesen, die sie als erstes renoviert hatten. „Wir mussten so viel entrümpeln“, sagt May. Sie erinnert sich besonders an vielen Papiere aus Hitlerzeiten oder den „hässlichen Wandschrank“. Die Papiere habe sie verstaut, den Rest konnte sie über Verkaufsportale im Internet loswerden. Unter anderem kamen neue Fenster und neue Betten rein.

Handwerker markieren ihre Bauten

Die größte Überraschung erlebten die beiden, als sie den Durchbruch von der Diele zum Querbau - der heute zum Garten führt - schufen. Auf einmal konnte man im oberen Viertel in das Schlafzimmer in der ersten Etage schauen. Der Querbau wurde etwa zwei Treppenstufen groß tiefer gebaut, somit ist auch der Boden der ersten Etage tiefer angelegt worden. „Statt es wieder zuzumachen, haben wir ein Glas reingesetzt und nun etwas Außergewöhnliches im Raum“, erklärt Mittmann.

Genauso wie es die Vorgänger gemacht hatten, hinterließ auch das Paar etwas von sich im Mauerwerk und unter den Treppenstufen - Namen, Datum und die Benzinpreise zum Beispiel. „Das ist so eine Handwerker-Art“, erklärt Mittmann. „Wir haben auch einen Weserspucker von Dezember 2020 mit eingebaut.“

Auch die weitere Inneneinrichtung hat das Paar dem Flair des Hauses angepasst: Dicke Holzbalken stehen mitten in der Diele und die alten abgeschliffenen Holzdielen zieren den Boden. Statt Putz und weißer Tapete ist ein Mauerwerk mit roten Backsteinen an den größten Teil der Wände angebracht. Beheizt wird der große Wohnraum sowie die offene Küche mit einem Holzofen. Ansonsten sind nur wenige Heizkörper in den anderen Zimmern verbaut.


Derzeit ist das Paar dabei zwei Giebel zu renovieren. - © Anastasia von Fugler

Die nächste Überraschung erwartete sie im Garten. „Wir wussten von den Nachbarn, dass es hier früher einen Brunnen gegeben hatte, wir konnten ihn aber nicht finden - obwohl wir schon viel umgegraben hatten“, so Mittmann. Erst als sie die Terrasse fertigstellen wollten, fanden sie ihn unter der Bodenplatte.

Auch wenn schon viel passiert ist am Haus, hat das Paar noch einiges vor. Die nächsten Schritte sind die Erneuerung der beiden Dachgiebel und die Dämmung, so Mittmann. Der Fußboden muss gedämmt werden und einige Innenwände bekommen noch eine Holzdämmung und einen Lehmputz. „Das ist besser fürs Raumklima“, erklärt er. 

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