Die Ergebnisse von Urnen- und Briefwahl klaffen in einigen Portaner Wahlbezirken deutlich auseinander. Dass CDU und SPD unterm Strich sämtliche Direktmandate gewinnen, liegt vor allem an den Briefwählern. Eine Politikwissenschaftlerin erklärt, warum das so ist.

Kurz nach 18 Uhr am Wahlsonntag im Rathaus: Die Auszählung der Briefwahl beginnt. Von 29.521 Wahlberechtigten in Porta haben 17.441 ihre Stimme abgegeben, 5.988 davon per Brief, das ist ein Anteil von 34 Prozent. © Dirk Haunhorst

Porta Westfalica. CDU und SPD bleiben nach der Kommunalwahl zwar die stärksten Fraktionen im Portaner Stadtrat. Der Vorsprung vor der AfD ist in vielen Orten aber so knapp, dass sowohl Christ- als auch Sozialdemokraten sich dort kaum wie strahlende Sieger fühlen dürften – obwohl sämtliche 19 Direktmandate an Bewerber der beiden „großen“ Parteien fielen. Ein Blick auf die Ergebnisse zeigt, dass der Vorsprung mehrerer CDU- und SPD-Kandidaten über das Briefwahlergebnis erkämpft wurde. Denn bei der Urnenwahl lag die AfD in sechs der 19 Wahlbezirke vorn, darunter in sämtlichen drei Bezirken in Neesen/Lerbeck. Ein Phänomen, das auch Wahlleiter Carsten Dierks aufgefallen ist. Die Unterschiede zwischen Urnen- und Briefwahlergebnis seien diesmal besonders deutlich gewesen, sagt der Erste Beigeordnete.

Briefwähler „retten“ SPD-Kandidaten das Direktmandat

Prominentes Beispiel dafür ist der Wahlbezirk Neesen-Lerbeck. Hier erzielte AfD-Kandidat Lukasz Kacki beim sonntäglichen Urnengang 34,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit lag er klar vor Kurt Baberske (CDU) und Carsten Bulmahn (SPD), die auf 23,7 Prozent sowie 23 Prozent der Stimmen kamen. Bulmahn setzte sich unterm Strich durch, weil er in Neesen-Lerbeck mit Abstand die meisten Briefwählerstimmen erhielt. CDU-Fraktionschef Baberske landete im Gesamtergebnis sogar noch hinter dem AfD-Mann und wird wie berichtet sein Ratsmandat verlieren, weil sein erster Platz auf der Reserveliste der Partei keine Rolle spielt. Grund: Die CDU erhält sämtliche zehn Sitze, die ihr laut Gesamtresultat von 27,5 Prozent zustehen, über die gewonnenen Direktmandate.


Dr. Sonja Blum ist Professorin für Vergleichende Politikwissenschaft und Politikfeldanalyse an der Fakultät für Soziologie in Bielefeld. - © Universität Bielefeld

Doch welche Erklärungen gibt es für das Auseinanderklaffen von Urnen- und Briefwahl-Ergebnissen? Die Politikwissenschaftlerin Dr. Sonja Blum, Professorin an der Universität Bielefeld, weist gegenüber dem MT auf Untersuchungen hin, wonach die Briefwahlquote insbesondere unter Akademikern recht hoch sei und mit dem grundsätzlichen Vertrauen in Verwaltung und staatliche Institutionen einhergehe. So schnitten beispielsweise die Grünen bei der Briefwahl in der Regel besser ab als bei der Urnenwahl.

Hingegen sei der Akademikeranteil unter AfD-Wählern eher gering und das Misstrauen gegenüber dem Staat höher, was sich auch in der Skepsis gegenüber der Briefwahl ausdrücke. Zudem lasse sich die eigene Protestwahl offenbar deutlicher zum Ausdruck bringen, wenn man im Wahllokal erscheine und den Stimmzettel selbst in die Urne werfe. Fakt ist, dass die Wahlbeteiligung auch in Porta Westfalica mit 59 Prozent gegenüber dem Wahlgang 2020 (51 Prozent) gestiegen ist. Die AfD mobilisiere bisherige Nichtwähler, sagt die Politikwissenschaftlerin.

Im Mühlenkreis erreicht die AfD nur in Porta die 20-Prozent-Marke

Der Portaner AfD-Stadtverbandssprecher Ralf Felden weiß um die Vorbehalte in den eigenen Reihen gegenüber der Briefwahl wegen angeblicher Manipulations- oder Betrugsgefahr. Er selbst sei allerdings nicht dieser Auffassung und könne aus eigener Erfahrung von einer Briefwahl-Auswertung berichten, bei der „alles korrekt abgelaufen ist“. Am Wahlabend habe er die Ergebnisentwicklung verfolgt und dabei die Unterschiede von Brief- und Urnenwahl bemerkt. Felden vermutet, dass insbesondere Seniorinnen und Senioren per Brief gewählt hätten und dabei ihre Stimmen tendenziell eher SPD oder CDU gegeben hätten.

Der AfD-Stadtverbandssprecher fuhr mit 27,3 Prozent im Wahlbezirk Neu-Lerbeck das beste prozentuale Einzelergebnis für seine Partei ein, die in Porta Westfalica mit 20,3 Prozent das kreisweit höchste Ergebnis bei den Stadtratswahlen erzielte. In den anderen Mühlenkreis-Kommunen lag die AfD unter der 20-Prozent-Marke.

Thomas Wehking (SPD) erzielt das beste Einzelergebnis

Ein Blick auf die herausragenden Resultate der anderen Parteien und Direktkandidaten in Porta: Das stadtweit beste Ergebnis erzielte Thomas Wehking (SPD), der im Wahlbezirk Wülpke/Kleinenbremen-West auf 41,5 Prozent der abgegebenen Stimmen kam. Die 40-Prozent-Marke knackten außer ihm noch Jörg Achilles (SPD, Wahlbezirk Nammen) und Kathrin Vieregge (CDU, Veltheim). Für die Grünen erzielte Sandra Kiskemper in Hausberge-Nord mit 14,9 Prozent das beste Ergebnis. Das Top-Resultat der Wählergemeinschaft Porta holte Sabine Detering (12,1 Prozent) in Holzhausen-Hitzepohl. Frank Reinhardt erzielte für die Liberalen in Barkhausen Nord 8,8 Prozent. Die Linke hatte ihr bestes Ergebnis in Barkhausen-Süd, wo Evelyn Schlegel 6,2 Prozent erreichte. 

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