Vor rund 20 Jahren entdeckte der Kleinbremener Stefan Schubert seine Leidenschaft für die Fotografie. Über die Jahre hinweg hat er sich vor allem der Natur verschrieben. Doch weil Künstliche Intelligenz den Markt aufwirbelt, hat er Bedenken, ob seine Arbeit in ein paar Jahren noch gefragt ist.

Unterwegs mit seiner Kamera im Wert eines Kleinwagens: Der Kleinenbremer Stefan Schubert ist leidenschaftlicher Naturfotograf. © Jürgen Horstmann/privat

Porta Westfalica-Kleinenbremen/Rinteln. Für die Fotografie habe er sich schon immer interessiert, beginnt Stefan Schubert aus Kleinenbremen von seinem Weg in die Naturfotografie zu erzählen. Das Interesse sei nur kurz eingeschlafen, bevor es im Jahr 2003 wieder lichterloh entflammte und ihn mehr und mehr vereinnahmte. „Zu der Zeit war die Digitaltechnik in den Startlöchern.“ Das habe die Fehlersuche in den eigenen Werken erleichtert, denn bis dahin mussten Foto-Filme in einer Dunkelkammer entwickelt werden.

Erst danach gab es Ergebnisse. „36 Fotos für zehn Mark“, erinnert sich der 57-Jährige. Die digitale Fotografie sei dann der „Game Changer“ für viele gewesen, auch für ihn. Das Hobby nahm seinen Lauf, anfangs fragten ihn Freude und Bekannte vor allem für Hochzeiten an.

Dann kam die Naturfotografie. „Für mich als Schreibtischtäter war das der Ausgleich“, sagt der gelernte Diplom-Finanzwirt. Seine ersten Versuche startete er im heimischen Garten. Vor allem Vögel flatterten ihm vor die Linse und sie zählen auch heute noch zu seinen Lieblings-Motiven. Aber inzwischen stapfen auch verwilderte Mufflons durch den naturnahen Garten der Familie in Porta.

Fotos aus England und Skandinavien

Dazu kommen unzählige Insekten und Blumen. „Ich fahre aber auch gerne nach England oder Skandinavien“, sagt Schubert. Etwa 90 Prozent seines Könnens habe er sich selbst beigebracht. Viel ausprobiert, verworfen, geändert, den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen gesucht. Das helfe, denn „in der Naturfotografie kommt man auch mal an den Punkt, an dem man nicht mehr weiterweiß und neue Anreize braucht.“

Inzwischen hat Schubert seinen eigenen Stil entwickelt. „Eher modern, gerne mal abstrakt und gerne auch mal provokant“. So stehen die Tiere, Pflanzen oder Insekten vor seinen Kameras beispielsweise nicht immer direkt im Mittelpunkt, sondern sind auch mal am Bildrand positioniert.

Ganz so leicht ließen sich aber vor allem die Motive mit tierischen Stars nicht arrangieren. Oft muss er Geduld und Leidenschaft mitbringen. „Es ist teilweise enorm anstrengend“, so Schubert. Oft schleppe er 25 Kilogramm Ausrüstung, Verpflegung und Kleidung über mehrere Kilometer unwegsames Gelände, um dann bei Minusgraden mitten in der Nacht über Stunden hinweg bis zum perfekten Moment im Morgengrauen auszuharren. „Da manche Wildhühner-Arten schon um sechs Uhr morgens auf die Tanzfläche kommen, muss man das auf sich nehmen.“

Tiere gerne vor der Linse

Über die Jahre hinweg hat Schubert so auch die Besonderheiten verschiedener Vogel- und Säugetierarten verinnerlicht. „Blesshühner sind streitsüchtig. Die kloppen sich recht schnell“, sagt der Fotograf und lacht. Acht Jahre musste er warten, bis er das erste Exemplar im richtigen Moment vor der Linse hatte. Ein bislang noch unerfüllter Motivwunsch: ein Polarfuchs. „Durch die strengen, aber richtigen Naturschutzauflagen ist es schwierig, an die Tiere heranzukommen.“

Dazu kommt auch das Finanzielle. „Naturfotografie ist ein teures Hobby“, sagt Schubert und deutet auf eine seiner Kameras, die auf dem Esstisch liegt. „Sie hat den Wert eines Kleinwagens.“ Für den Anfang brauche es seiner Meinung nach aber nicht gleich so teures Equipment. Auch mit dem Handy könne man schon erste gute Bilder machen. „Handykameras haben den Einsteiger-Sektor bei Kameras sicherlich weggesprengt“, meint Schubert. Die Qualität der Bilder sei auf den mobilen Geräten schon so gut wie bei Spiegelreflexkameras und Co.

Oft braucht es viel Zeit und Geduld, um den perfekten Moment zu erwischen - wie hier bei einem Seeadler. - © Stefan Schubert/privat

Das habe seiner Meinung nach auch weitere Folgen. „Der Wert eines Bildes hat heutzutage unwahrscheinlich nachgelassen.“ Der Großteil der Naturfotografen könne heute nicht von den Motiven alleine leben, sondern nur in Kombination mit Vorträgen und Ausstellungen. Auch Schubert zeigt seine Werke regelmäßig und gibt auch Kurse für Interessierte.

Zu diesem Problem kommt die Künstliche Intelligenz. „KI-generierte Fotos haben den Fotomarkt enorm durcheinandergewirbelt“, stellt er fest. Ob der Trend umzukehren ist? Schwierig zu sagen. Wichtig sei es, sich aus der Flut an Fotos abzusetzen. Dazu kommt der eigene Anspruch an die Arbeit. „Meine Fotos müssen mir gefallen“, so der Familienvater. Alles habe seinen Reiz und eine Geschichte. Diese dann im Motiv zu transportieren, sei die Herausforderung. Hinzu kommen Emotionen. „Es ist schwer, Emotionen im Betrachter zu wecken, da jeder seine eigene Blickweise auf ein Bild hat“, sagt er, „aber mit einer guten Lichtstimmung und den richtigen Farben kann man die Menschen berühren.“

Ihn berührt der Klimawandel und dessen Folgen

Schubert selbst berührt auch zusehends der Klimawandel, der spürbar Einfluss auf seine Arbeit nimmt. Den Garten rund um das Haus habe er mit Absicht etwas wilder gelassen, um Insekten und Vögeln Raum zu schaffen. Das kommt auch seinen Motiven zugute, die er so oft auch direkt vor der Haustür findet. Aber das würde abnehmen. „Es wird immer weniger, was hier herumfliegt und herumkrabbelt“, bemerkt er. Gerade die Zahl der Schmetterlinge – eines seiner Lieblingsmotive – habe „enorm“ abgenommen.

Was er in all den Jahren gelernt hat, ist, dass man Motive nicht erzwingen kann. „Am Anfang war ich noch unruhiger“, sagt er schmunzelnd. Inzwischen habe er sich seine Erwartungshaltung abgewöhnt. Auch für die nächste große Foto-Reise gibt es keine strikten Erwartungen, nur Wünsche. „Es soll vielleicht nach Schottland gehen, um Schneehühner zu fotografieren.“

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