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Daniel Schmidt, Interims-Geschäftsführer des Museums und Besucherbergwerks Kleinenbremen, ist nach der Kreistagssitzung ein großer Stein vom Herzen gefallen. Für Umbau und Neugestaltung der maroden Einrichtung stehen bald mehrere Millionen Euro zur Verfügung.
Daniel Schmidt ist Interims-Geschäftsführer im Besucherbergwerk und Museum für Erdgeschichte. Er wird Umbau und Neugestaltung begleiten. © Dirk Haunhorst Porta Westfalica-Kleinenbremen. „Da, schauen Sie mal“, sagt Daniel Schmidt, „da guckt man direkt auf die blanken Pfannen.“ Der Interims-Geschäftsführer ist bei seiner kleinen Führung durchs Museumsgebäude auf dem Dachboden angekommen. Dort befindet sich eine der künftigen Großbaustellen in dem fast 90 Jahre alten Haus, bislang fehlt jedwede Isolierung. Außerdem gibt es Ungeziefer-Befall. „Die Waschbären“, sagt Schmidt, „fallen schon mal durch die Zwischendecke.“ Die Allesfresser beißen sich durch, unter einem Loch in der Wand sind mehrere Pfotenabdrücke zu sehen.
Waschbären-Befall: Die Allesfresser haben im Museumsgebäude an vielen Wänden ihre Spuren hinterlassen. - © Dirk Haunhorst Niemand arbeitet gerne in einem maroden Gebäude. Doch die kleine Führung an diesem Mittwoch fällt Schmidt nicht sonderlich schwer. Denn zwei Tage zuvor konnten der 36-Jährige und die gesamte Museums- und Bergwerksmannschaft aufatmen. Am Montag stimmte der Kreistag nach langem Hin und Her für ein insgesamt acht Millionen Euro teures Sanierungspaket, das zu 80 Prozent aus Fördergeldern besteht. So hoch ist auch die Förderquote für Neuausrichtung des touristischen Konzepts, die mit 2,7 Millionen Euro zu Buche schlägt. Der Portaner Rat entscheidet am Montag, eine Zitterpartie scheint ausgeschlossen Schmidt verfolgte mit einigen Kollegen gespannt die Sitzung im Kreishaus. Es habe Signale gegeben, dass die Mehrheit für den Eigenanteil in Höhe von rund zwei Millionen Euro votieren wird. So kam es dann auch, lediglich AfD, FDP und drei CDU-Politiker votierten dagegen. „Trotzdem haben wir bis zum Schluss gezittert“, blickt Schmidt auf die finale Abstimmung zurück. Neben dem Kreis als Hauptgesellschafter der kommunalen Einrichtung muss noch die Stadt Porta über ihren Eigenanteil abstimmen. Eine Zitterpartie scheint ausgeschlossen, die Abstimmung am kommenden Montag dürfte deutlich zugunsten von Bergwerk und Museum ausfallen.
Feuchtigkeitsschäden tauchen an vielen Stellen des fast 90 Jahren alten Gebäudes auf. Auch die Kaue, der Umkleidebereich der Bergleute, ist davon betroffen. - © Dirk Haunhorst Auf dem Weg in den Heizungskeller weist Schmidt auf abblätternden Putz und fehlende Fliesen hin. Die Feuchtigkeit hat im Laufe der Jahrzehnte an etlichen Stellen des denkmalgeschützten Gebäudes Spuren hinterlassen. Das Wasser drückt von der Hangseite. Auch das ein Problem, das bei der Sanierung zu lösen ist. Und die alte Ölheizung, die in Kombination mit der fehlenden Dämmung die gesamte Immobile zur kostspieligen Energieschleuder macht, dürfte zugunsten von Wärmepumpe und Solartechnik bald ausgedient haben. Zuletzt sei in der kälteren Jahreszeit nur noch die untere Etage des Museumsgebäudes geheizt worden, berichtet Schmidt.
Die energetische Sanierung betrifft auch die alte Ölheizung. Sie hat demnächst ausgedient. - © Dirk Haunhorst Der Bergbau-Vermessungsingenieur übernahm im September 2024 als Honorarkraft die technische Leitung des Besucherbergwerks, nachdem er zuvor unter anderem für die Ruhrkohle AG gearbeitet und als Selbstständiger für Unternehmen wie Kali+Salz Ausbildungsmodule der Bergbautechnologie übernommen hatte. Als Dr. Tanja Hasselberg nun nach zweijähriger Tätigkeit das Kleinenbremer Museum und Besucherbergwerk verließ, um das Moormuseum Emsland zu leiten, folgte ihr Daniel Schmidt als Interims-Geschäftsführer. Aufgrund seiner beruflichen Erfahrung passe er „gut für die Zeit des Gebäudeumbaus“, kommentierte Aufsichtsratsvorsitzende Florian Staab (CDU) im April die Personalie.
Vielleicht wird aus der Interims-Lösung eine dauerhafte. Aufgrund der häufigen Leitungswechsel seit 2022 von Geschäftsführer Mirko Ignatz zu Interims-Geschäftsführer Dietmar Lehmann, dem Tanja Hasselberg und nun Daniel Schmidt folgten, dürfte neben der Gebäudesanierung auch personelle Kontinuität ein Ziel der beiden kommunalen Gesellschafter sein. An Schmidt sollte es jedenfalls nicht scheitern. „Wenn der Aufsichtsrat das will, würde ich auch gern weitermachen.“ Das Gebäude ist zwar ein Sanierungsfall und die Museumsausstellung nicht mehr zeitgemäß, gleichwohl zieht das Besucherbergwerk die Menschen an, bisweilen ist der Andrang riesig. „An Pfingsten wurden wir überrannt“, berichtet Schmidt. Sogar eine Rufbereitschaft sei unter den Mitarbeitern eingerichtet worden, um zusätzliche Einfahrten zu ermöglichen, nämlich sechs statt drei pro Tag. „Wir hatten insgesamt mehr als 1.000 Gäste.“
Dass die Besucherzahlen zuletzt auf mehr als 20.000 pro Jahr gestiegen sind und somit Vor-Corona-Niveau erreichen, verdanke man auch der scheidenden Geschäftsführerin Hasselberg, lobte die Portaner Politik Anfang Juni in einer Ausschusssitzung. Schmidt und die rund 20 Beschäftigten in Museum und Bergwerk möchten diesen Trend fortsetzen. Die Bewilligung von mehr als zehn Millionen Euro für die bauliche Erneuerung und inhaltliche Aufwertung sei ungemein motivierend, sagt der Interims-Geschäftsführer. Der in solchen Fällen gerne benutzte Begriff Aufbruchstimmung beschreibe das am besten. „Wir lassen uns jetzt nicht mehr bremsen.“ Anpacken will das Team zunächst die kleinen Verbesserungen, bevor dann mit dem Umbau die großen folgen. Beispielsweise soll für den Übergang mit einfachen Mitteln die Museumsausstellung aufgehübscht werden. Schmidt erwähnt eine übersichtlichere Gestaltung und kürzere Texte. Mithilfe von QR-Codes sollen Besucher bei Bedarf ausführlichere Information erhalten. |



