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Das Instrument in der Kirche in Kleinenbremen wird derzeit gereinigt. Beim Ausbau der Pfeifen stieß Orgelbauer Mathias Johannmeier auf weitere Probleme.
Orgelbauer Matthias Johannmeier überprüft jede einzelne der rund 2.000 Pfeifen aus der Orgel der Kirche in Kleinenbremen. © Alex Lehn Porta Westfalica-Kleinenbremen. Dass es ein Schimmel-Problem in der Orgel der Kleinenbremer Kirche gibt, war schon länger bekannt. Dass es so schlimm ist, nicht, erzählt Iris Monien, Gemeindesekretärin und Organistin. Sie hatte den Orgelbauer Mathias Johannmeier ursprünglich um Rat gefragt, weil die Orgel gestimmt werden musste. Dabei wurde bereits im Januar 2024 deutlich, dass eine gründliche Reinigung mehr als fällig ist. Die hat Johannmeier nun im Februar in Angriff genommen und dabei sind weitere Probleme zutage getreten. „Wenn es in der Mindener Martinikirche fünf vor zwölf war, dann war es hier drei vor zwölf“, sagt der Experte.
Aktuell steht das Gehäuse der Orgel in der Kiche von Kleinenbremen vollkommen leer da. Alle Pfeifen sind ausgebaut worden, weill sie mit Hilfe von Ehrenamtlichen gereinigt werden. - © Alex Lehn Um die Kosten von rund 50.000 Euro zu finanzieren, wirbt die Gemeinde seit vergangenem Jahr um Spenden. Bislang seien etwa zehn Prozent der Summe gesammelt worden, berichtet Monien, da dürfe gerne noch etwas hinzukommen. Um die Kosten zu minimieren, haben Gemeindemitglieder den Orgelbauer beim Ausbau der Pfeifen unterstützt und waschen die rund 2.000 Exemplare aus Metall und Holz nun auch.
Am Reinigen der Orgelpfeifen beteiligen sich Iris Monien, Claudia Bultemeier, Karin Hohmeier, Stefan Bultemeier, Arne Sill, Regina Rinne und Raimond Monien (von links). - © Stefanie Schütte „Die letzte Reinigung hat Ende der 90er-Jahre stattgefunden. Die Zeitspanne war nicht das Problem, sondern die schwankenden Temperaturen in der Kirche“, sagt Mathias Johannmeier. Die hätten dafür gesorgt, dass sich nicht nur in dem hölzernen Gehäuse und in den Pfeifen Schimmel bildete, sondern die komplette Rückwand der Orgel zum Kirchenturm ebenfalls befallen war. Die Gemeinde habe hingegen vermutet, dass der undichte Anschluss vom Kirchendach an den Turm, der vor einigen Jahren repariert worden ist, die Ursache war, berichtet Monien. Der Orgelbauer empfiehlt der Gemeinde, die Kirche künftig auf einer Grundtemperatur von acht Grad zu halten. Auf Empfehlung des Orgelsachverständigen Arno Schönstedt hatte die Gemeinde 1973 eine neue Orgel angeschafft. Sein Urteil über die 1896 in der neu gebauten Kirche installierte Klaßmeyer-Orgel war zuvor vernichtend ausgefallen. „Das um die Jahrhundertwende erbaute Werk ist in spieltechnischer wie klanglicher Hinsicht unbrauchbar und abgängig. Jeder Versuch, durch eine umfassende Reparatur hier etwas erhalten zu wollen, ist von vornherein vergeblich und darum abzulehnen“, schrieb er in seinem Gutachten von 1972. Er hatte darin vier Orgelbauer aus Brackwede, Vlotho, Dresden und Feuchtwangen empfohlen. Die Wahl des Presbyteriums fiel damals auf die Firma Conrad Koch aus Feuchtwangen. Die Orgel hat 23 Register und ist damit „für eine Dorfkirche ein recht großes Instrument“, urteilt Johannmeier. Standard seien 18 bis 20 Register, die Orgel in der Mindener Martinikirche verfügt über 42 Register. Die Materialien seien für die Bauzeit von guter Qualität, allerdings drohten die Prospektpfeifen abzustürzen, weil die Fußspitzen eingesunken waren. Die werden nun erneuert. Neben dem Schimmel seien bei dieser Orgel die Dichtungen das große Thema. Jede der rund 2.000 Pfeifen steht auf einem Ring aus Schaumstoff. Der ist im Lauf von fünf Jahrzehnten allerdings zu Staub zerfallen. „Der hat sich zum Teil auch in den Pfeifen abgelagert und sorgt für Verstopfungen“, sagt Johannmeier. Das beeinträchtigt den Klang.
Die Schaumstoffdichtungen, auf der die einzelnen Orgelpfeifen gestanden haben, haben sich im Laufe von fünf Jahrzehnten aufgelöst. - © Mathias Johannmeier Der habe sich in den 90er-Jahren nicht zum Vorteil verändert, berichtet Johannmeier über das Urteil des amtierenden Orgelsachverständigen Martin Rieker. Die Koch-Orgel sei neobarock gestimmt gewesen. Später habe man versucht, die hohen Register tiefer zu legen. „Das klang dumpf, als ob Oh Du Fröhliche mit der Tuba gespielt würde. Da fehlte der Glanz“, erläutert Johannmeier. Darum werde eine neue Mixtur eingebaut. Die besteht aus rund 300 Pfeifen und stammt aus einer Kirche in Erfurt. In Kleinenbremen ist seit 2023 die Pfarrstelle vakant, seit Pfarrer Ekkehard Karottki in den Ruhestand gegangen ist. Pfarrer Hendrik Rethemeier aus Dankersen füllt diese Lücke. Gottesdienste finden in Kleinenbremen an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat statt. Die begleitet Iris Monien an der Orgel im Wechsel mit Christine Pearson, die auch den Posaunen- und den Projektchor leitet. Monien hat ihren C-Kurs als Kirchenmusikerin bei dem Martinikantor Dr. Ulf Wellner gemacht. Weil zu der Ausbildung auch die Mitgliedschaft in einer Kantorei gehört, sang sie in der Westfälischen Kantorei, als die erste Reinigung der Orgel in der Martinikirche anstand. Dafür suchte Wellner Helfer. „Ich fand das interessant, weil man das Instrument zwar spielt, aber die Pfeifen nie zu Gesicht bekommt“, erzählt Monien. So lernte sie auch den Orgelbauer Mathias Johannmeier kennen. Jener Orgelbauer, der das Instrument in Kleinenbremen in der Vergangenheit betreute, hatte seinen Betrieb aufgegeben. So lange das Instrument gereinigt wird, finden die Gottesdienste im Gemeindehaus statt. Zu Pfingsten soll die Orgel in der Kirche aber wieder erklingen. |



