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Florian Staab (CDU) ist in Wülpke mit Bergbau aufgewachsen. Heute ist er Vorsitzender im Aufsichtsrat des Besucherbergwerks. Im MT-Gespräch berichtet er über seine Arbeit zwischen den Erwartungen von Politik und Personal.
Besucherbergwerk: Faszinierende Welt unter Tage. © Privat Porta Westfalica. Nein, Zufall ist es nicht, dass Florian Staab im Aufsichtsrat für das Besucherbergwerk Kleinenbremen ist. Denn für seinen Heimatort engagiert sich der 46-jährige Diplom-Kaufmann seit vielen Jahren. Erst in der Jugendarbeit seiner Kirchengemeinde, dann ab 2004 im Bezirksausschuss Kleinenbremen - damals noch parteilos, aber schon auf CDU-Ticket. Als er 2009 für die CDU in den Stadtrat kam, wurde er direkt in den Aufsichtsrat des Badezentrums Porta Westfalica entsandt. 2020 wurde er in den Kreistag gewählt und erklärte in der Fraktion, dass er sich gern mit dem Besucherbergwerk befassen wollte - „ich würde mich auch für den Vorsitz interessieren“. Gespräch mit einem, der sich als ehrenamtlicher Politiker in vielen verschiedenen Ausschüssen und externen Gremien engagiert. Was interessiert Sie an der politischen Arbeit für das Besucherbergwerk? Ich kenne dieses mein Leben lang, habe eine familiäre Affinität zum Bergbau - in der Halle der Bergleute dort hängt auch ein Foto meines Großonkels -, und es liegt in meinem Wahlkreis. Ich bin in Wülpke im Schatten der Deponie aufgewachsen, wo die Barbara-Lkw den ganzen Tag hoch und runter fuhren. Schauen Sie mein Auto an, das ist immer voll von rotem Staub. Außerdem: Das Besucherbergwerk ist von 2010 bis 2020 mehr oder weniger unter dem Radar geblieben; vor Ort und auch in den Gremien war man fleißig, doch die Politik hat es damals bestenfalls über den Verlustausgleich wahrgenommen. Es war unsere am meisten vernachlässigte Beteiligung. Zum Glück ist in den letzten Jahren mehr ins Bewusstsein gerückt, dass wir was dafür tun müssen, wenn wir es behalten wollen. Das ist aus Ihrer Sicht ein Verdienst des Aufsichtsrats? Klar. Wir haben uns auf die Hinterbeine gestellt und klar gesagt: Diese Haltung musste ein Ende haben. Tatsächlich warteten die Stadt Porta Westfalica und der Kreis Minden-Lübbecke immer aufeinander und dachten, der jeweils andere müsste anfangen. Der Kreis dachte, das Bergwerk liegt eben in Porta, und darum sind die zuständig, und in Porta Westfalica dachte man: Es gehört zu fünf Sechsteln dem Kreis, also muss der aus dem Quark kommen. Ich habe von Anfang an klar gesagt, dass ich das nicht mehr hören will. Was wollten Sie erreichen - mehr Geld? Anschaffungen? Vielleicht sogar wieder eine dauerhafte Anbindung ans Bahnnetz? Mit dem Zug ins Bergwerk? Das wird wohl es leider nie wieder geben. Klar, für Kleinenbremer ist das eine Herzensangelegenheit, und eigentlich ist Pfingstmontag an der Mühle erst komplett, wenn die Lok vorbeifährt. Aber es ist leider illusorisch, dass das Besucherbergwerk selbst, bei einer Besucherzahl von aktuell etwa 20.000 im Jahr, viel Geld da reinstecken könnte, um sonntags die Besucherzahl etwas zu steigern. Uns geht es erst einmal um mehr Sichtbarkeit.
Florian Staab (CDU) ist Aufsichtsratsvorsitzender des Besucherbergwerks Kleinenbremen.Was solche eine Aufgabe bedeutet, erläutert er im MT-Interview. - © Privat Hat die Coronapandemie Sie anfangs gestoppt? Das war ja insgesamt ein schwerer Start in die Legislaturperiode. Und als wir wieder handeln konnten und wollten, überraschte uns die Kündigung des Geschäftsführers. Da habe ich hautnah den wichtigen Unterschied für einen Aufsichtsrat und vielleicht besonders für einen Aufsichtsratsvorsitzenden erlebt: Betriebsgröße und Mitarbeiterzahl. Für den Interimsgeschäftsführer Lehmann habe ich noch Donnerstagabend um 23 Uhr mit einem Portaner Fraktionsvorsitzenden telefoniert, ob das alles so in Ordnung ist, um dann Freitagmorgen selbst beim Notar zu sitzen und die Geschäftsführung eintragen zu lassen - alles, damit wir Montag keinen Betriebsstopp hatten. Das Besucherbergwerk kam in der Vergangenheit mit dem wenigen Geld nur aus, weil am Personal immer mehr gespart wurde. Da ist dann keiner mehr, der sich um solche Verträge kümmern kann. Sie hatten Glück, dass Sie sich in Betriebswirtschaft auskennen. Wenn man sich für eine Position im Aufsichtsrat interessiert, hat das meiner Erfahrung nach auch oft etwas mit der eigenen Fachrichtung zu tun. Unsere Fraktion zumindest schaut darauf, dass das passt. Andererseits wäre es auch nicht hilfreich, mit ausschließlich BWLern und Juristen im Aufsichtsrat zu sitzen - die Mischung ist am besten. Wir müssen Themen ja aus mehreren Blickwinkeln betrachten und die Geschäftsführung beraten. Der Aufsichtsrat war sich dann bei der Einstellung von Dr. Tanja Hasselberg schnell einig. Wie haben Sie die Gremien überzeugt, die dabei dann alle mitziehen mussten? Kommunikation ist unsere wichtigste Aufgabe im Aufsichtsrat. Und darum braucht das Besucherbergwerk diesen auch - wir sind ja eigentlich eine gGmbH, da wäre rechtlich keiner nötig. Aber wir sind für die Einrichtung auch ein Schutzschild. Das müssen Sie erklären. Von 2015 bis 2020 war ich Vorsitzender des Portaner Wirtschaftsförderungsausschusses, der auch für Tourismus zuständig war. Das Besucherbergwerk ist für Porta der zweite Leuchtturm nach dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Ich habe damals mehrfach den Geschäftsführer eingeladen - der kam aber nie allein, sondern immer mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Horter. Dieser hat dann auch die meisten Fragen beantwortet. Das habe ich damals nie verstanden. Heute weiß ich: Die Politik braucht Geschäftsführer, um einen Betrieb zu führen, und Geschäftsführer brauchen die Politiker, um die Politik zu verstehen – da ist durchaus etwas Ironie dabei. Nun sind Sie aber nicht als Promoter und Beschützer der Einrichtung in den Aufsichtsrat gewählt worden, sondern um die Interessen des Kreises wahrzunehmen. Natürlich passe ich auf die Beteiligung des Kreises auf, das ist mein Mandat. Aber ich habe auch die Interessen der Gesellschaft zu vertreten und trage Personalverantwortung. Und ja, da muss ich manchmal zwei Sichtweisen nebeneinander legen. Aber das ist im Grunde Theorie. Denn wenn das Bergwerk gut läuft, nutzt das doch der Stadt und dem Kreis. Gerade jetzt, wo es um die Zukunft geht. Sie meinen die EFRE-Förderung, wo Sie darauf hoffen, dass im Juni die Zusage für den zweiten Antrag eingeht? Hoffentlich, hoffentlich - darum bemühen wir uns seit fünf Jahren und wurden ja auch schon zweimal nicht berücksichtigt. So schnell werden wir nicht wieder die Gelegenheit bekommen, Gelder in Millionenhöhe für das Besucherbergwerk in den Kreis zu holen. Wenn es kommt, würden wir nicht nur endlich die Haustechnik auf neuen Stand bringen und Gebäude sanieren können, sondern vor allem an den Ausstellungen und Präsentationen arbeiten und die historische Vernetzung des Betriebs stärker herausarbeiten können. Wir haben es zum Glück dank Frau Dr. Hasselberg geschafft, eine Aufbruchstimmung auch in der Politik zu erzeugen. So bekamen wir für 2023 und 2024 die Sicherheit, weil die erhöhte Verlustabdeckung für zwei Jahre zugesagt wurde. So konnten wir systematisch weiterarbeiten und gemeinsam mit Kreis und Stadt u.a. zwei EFRE-Anträge auf den Weg bringen, von denen einer bereits bewilligt wurde. Allerdings benötigen wir nun auch noch die Zustimmung von Kreistag und Stadtrat, die jeweiligen Eigenanteile zu übernehmen. Das ist in Zeiten knapper Kasse kein Automatismus. Die Liste der Gremien ist lang, in denen Sie tätig sind: vier Kreisausschüsse, sieben externe Gremien beim Kreis - und Sie leiten außerdem die Mindener Euroschulen. Wie machen Sie das? Vielen Menschen ist gar nicht klar, welch eine Wertschöpfung der Tourismus für die Region und alle, die hier leben, ist. Darum wollte ich mich im Bereich Sport, Kultur, Tourismus und auch im Verkehr engagieren. Ich bin ja nicht nur Kreistagsmitglied, sondern auch Geschäftsführer der CDU-Kreistagsfraktion. Die Kreisausschüsse und Gremiensitze haben wir zu einem Zeitpunkt verteilt, als Oliver Vogt noch nicht im Bundestag war. Bei vielen Verkehrsthemen war ich sein Stellvertreter, und so übernahm ich, als er nachrückte, auch diese Aufgaben. Aber ja, man braucht viel Zeit. Sitzungen für den Nahverkehrsverbund Westfalen-Lippe sind meist um 12 Uhr in Soest oder Unna, da ist immer ein ganzer Tag weg - das kann nicht jeder. So ist es bei mir am Ende tatsächlich ein „bisschen“ mehr geworden, aber es ist machbar.
Das Besucherbergwerk Kleinenbremen: Hoffen auf Fördergelder. Zudem benötigt die Einrichtung einen neue Leitung. Interimsgeschäftsführer wird ab dem 1. Juni der Bergbau-Vermessungsingenieur Daniel Schmidt. - © MT-Archivfoto: Stefan Lyrath Ihre Pläne für die nächste Wahlperiode? Die CDU Porta hat Sie ja gerade für den Kreistag nominiert. Hängen von den Wahlergebnissen ab. Ich hoffe, dass Jochen Pauling aus Porta Westfalica auch in den Kreistag kommt, da er sich sehr für Verkehrsthemen interessiert. Meinen Wahlbezirk werde ich gewinnen müssen, um erneut in den Kreistag zu kommen, und das wird nicht einfach. Denn dieser besteht aus Kleinenbremen, Wülpke und Nammen, traditionell eher SPD-orientiert, sowie Lerbeck, Neu-Lerbeck und Neesen, wo die AfD zuletzt bis zu 40 Prozent geholt hat. In jedem Stadtteil wird es eng. Und das Besucher-Bergwerk? Gerade wurde bekannt, dass Sie wieder eine neue Leitung suchen müssen, weil Tanja Hasselberg zum 1. Juni eine neue Stelle antreten wird. Dem Besucher-Bergwerk wünsche ich eine fantastische Zukunft mit grundsaniertem Gebäude, neu gestaltetem Museum, großem Netzwerk und vielen interessant gestalteten Themen. Auf die beteiligten Menschen wird es am Ende immer ankommen, aber nie auf bestimmte Namen. Egal, ob sich jemand beruflich verändert, wie nun unsere Geschäftsführerin oder man eventuell einfach nur nicht wiedergewählt wird, die Lücke muss so gut wie möglich gefüllt werden – das ist die gemeinsame Aufgabe von Kreis und Stadt. |


