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Der Fiat Barchetta zeigt, dass ein Roadster nicht groß und stark sein muss, um Spaß zu machen. Am Wochenende waren 34 dieser „Bötchen“ im Kleinenbremer Steinbruch zu sehen.
Zeitloses Design, als Gebrauchtwagen bezahlbar: Ronja Hoff (links) und Ramona Roggenbuck schwören auf den Fiat Barchetta. © Stefan Lyrath Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Im Job steuert Ramona Roggenbuck einen 40-Tonner. Privat zwängt sich die Kraftfahrerin aus Bad Salzuflen mit Vorliebe ins enge Cockpit ihres Fiat Barchetta. „Den 40-Tonner fahre ich mit einem Lächeln, aber in der Barchetta reichen die Mundwinkel bis zu den Ohren“, schwärmt sie. Und das liegt nicht nur daran, dass ihr grüner Wagen in der Farbe „Stelvio verde“ ein recht seltenes Exemplar ist, weil davon nur 500 Stück gebaut worden sind, sondern vor allem am Fahrgefühl. „Es ist wie Kartfahren“, erklärt Rainer Tuxhorn aus Verl, Vorstand und Gründungsmitglied des Barchetta Clubs Deutschland. 34 Roadster zu Gast in Kleinenbremen Am Wochenende hat Ramona Roggenbuck ein Clubtreffen im Steinbruch des Kleinenbremer Besucher-Bergwerks organisiert. Auf der Wiese vor dem Brecherturm stehen 34 Roadster, bei dem schönen Wetter viele mit geöffnetem Verdeck. Die Besitzer der Flitzer reden Benzin, präsentieren ihre Fahrzeuge, starten zu einer Ausfahrt und nehmen an Führungen durch die Stollen der stillgelegten Erzgrube teil. Sie kommen aus ganz Deutschland und einer aus den Niederlanden. Warum eine Barchetta? „Sie hat den schönsten Hintern Italiens“, stellt Rainer Tuxhorn fest. Auch Evelyn Flögerhöfer aus Essen hat ihre Barchetta wegen der Form gekauft. „Die ist sowas von gelungen“, sagt sie. Mit 77 Jahren ist Evelyn Flögerhöfer die älteste Teilnehmerin des Treffens, wirkt aber viel jünger. Ihren Roadster hat sie 1996 neu gekauft, mittlerweile ist er 51.000 Kilometer gelaufen. Reparaturen? Fehlanzeige. Irgendwann hat die Frau aus Essen den Wagen tieferlegen lassen. Seitdem fährt er genau so, wie sich sich das vorstellt. „Ich glaube, ich habe Benzin im Blut“, sagt sie. Evelyn Flögerhöfer fährt gerne sportlich – aber nur da, wo sie die Straßen kennt und kein Tempolimit gilt. Auf der Kurvenstrecke zwischen Kleinenbremen und Todenmann lässt sie es deshalb langsam angehen.
Ein Schriftzug am Heck weist darauf hin, dass die Form der Barchetta einem Bötchen gleicht. - © Stefan Lyrath Barchetta heißt übersetzt Bötchen, im Italienischen die Verniedlichung von Boot – und ein Hinweis auf die originelle Form des Autos. Gebaut wurde der flinke Fiat auf Punto-Basis von 1995 bis 2005 in einer Stückzahl von fast 58.000 Exemplaren. Etwa die Hälfte davon wurde in Deutschland zugelassen.
Der Vierzylinder-Saugmotor des Roadsters hat zwar bloß 131 PS. Das Auto wiegt aber auch nur 1.135 Kilogramm, mit denen die Pferdestärken leichtes Spiel haben. Von null auf 100 sprintet der offene Zweisitzer in weniger als neun Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 Stundenkilometern. Die Barchetta war Fiats Antwort auf den Mazda MX-5, hat allerdings Frontantrieb, während beim Japaner die Hinterräder angetrieben werden. Das Design stammt aus der Feder von Andreas Zapatinas, der auch den Traum-Roadster BMW Z 8 gezeichnet hat.
Im Innenraum des Roadsters geht es recht eng zu. - © Stefan Lyrath Da kommt die Barchetta zwar nicht ran, aber mehr geht immer. Oliver Odak zum Beispiel hat seinen ursprünglich silbernen Roadster vor 23 Jahren auf den Blauton „Azzurro Frizzante“ umlackiert. Vor 20 Jahren ließ er dreiteilige Felgen im Tribal-Look anfertigen, vor sieben Jahren das Hardtop in schwarz umlackieren. Der Motor wurde vor fünf Jahren komplett überholt. Danach war er wieder wie neu. Und das sind nur einige der Umbauten. Andere Liebhaber lassen den Motor von 1,8 auf zwei Liter Hubraum vergrößern und die Leistung anheben, wodurch die Barchetta 160 statt der serienmäßigen 131 PS mobilisiert. Wieder andere erfreuen sich am Originalzustand des „Bötchens“ und genießen jeden Kilometer – am liebsten oben ohne. |


